Mit dem Claude Science Workbench bringt Anthropic künstliche Intelligenz direkt ins Labor. Die am 30. Juni 2026 vorgestellte App bündelt Werkzeuge, die Forschende sonst über Dutzende Tools verteilt nutzen – von Genomik über Proteinstrukturen bis zur Chemieinformatik.
Was ist der Claude Science Workbench?
Claude Science ist eine eigenständige App, die einen koordinierenden KI-Agenten mit über 60 kuratierten Skills und Konnektoren verbindet. Diese decken Bereiche wie Genomik, Single-Cell-Analyse, Proteomik, Strukturbiologie und Cheminformatik ab. Der Agent kann bei Bedarf weitere spezialisierte Unteragenten starten und mit selbst erstellten Agenten der Nutzer zusammenarbeiten.
Reproduzierbare Ergebnisse statt Blackbox
Ein zentrales Versprechen von Anthropic ist Nachvollziehbarkeit. Jede Abbildung und jedes Manuskript entsteht zusammen mit dem Code, der sie erzeugt hat. Claude Science zeigt Proteinstrukturen, Genom-Browser-Tracks und chemische Strukturen nativ an, inklusive einer Klartext-Beschreibung, wie das Ergebnis zustande kam. Ein zusätzlicher Reviewer-Agent prüft Zitate und Berechnungen und markiert Fehler automatisch.
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Rechenleistung nach Bedarf
Große Analysen wie das Falten eines Proteins oder eine Genomik-Pipeline über riesige Datensätze erledigt Claude Science im Hintergrund. Die App erstellt einen Plan, fragt vor dem Zugriff auf neue Ressourcen nach und schickt den Job dann an die Recheninfrastruktur des jeweiligen Labors – ob eigener HPC-Cluster per SSH oder Rechenleistung auf Abruf über Modal. Dabei bleiben große oder sensible Datensätze auf der eigenen Infrastruktur, nur der jeweils nötige Kontext geht an Claude.
Anbindung an anerkannte Forschungsdatenbanken
Claude Science ist von Beginn an domänenfertig aufgesetzt und mit mehr als 60 wissenschaftlichen Datenbanken wie UniProt, PDB, Ensembl, ClinVar und ChEMBL verbunden. Über Skills aus NVIDIAs BioNeMo Agent Toolkit greift die App zudem nativ auf Life-Sciences-Modelle wie Evo 2, Boltz-2 und OpenFold3 zu.
Erste Praxisbeispiele
- Das Biotech-Unternehmen Manifold Bio nutzte Claude Science, um Zielproteine für gewebespezifische Medikamente zu bewerten und zu priorisieren.
- Ein Neurowissenschaftler am Allen Institute baute damit eine mehrstufige Agenten-Pipeline für Literaturreviews, die frühere Arbeiten von rund zwei Jahren auf wenige Wochen verkürzte.
- Ein Epidemiologe am UCSF Brain Tumor Center beschleunigte genetische Auswertungen zur Glioma-Forschung auf etwa ein Zehntel der bisherigen Zeit.
Verfügbarkeit und Förderprogramm
Der Claude Science Workbench läuft in der Beta-Phase auf macOS und Linux und steht Nutzern der Pro-, Max-, Team- und Enterprise-Pläne zur Verfügung. Zusätzlich fördert Anthropic bis zu 50 Forschungsprojekte mit jeweils bis zu 30.000 US-Dollar an Guthaben; Bewerbungen sind noch bis zum 15. Juli 2026 möglich.
Wer selbst KI-gestützte Workflows aufbauen möchte, findet in unserem Ratgeber zu Hardware für lokale KI und LLMs passende Empfehlungen für den Einstieg – gerade wenn Rechenleistung im eigenen Labor eine Rolle spielt. Nach den jüngsten Modell-Neuheiten wie Claude Sonnet 5 zeigt Anthropic damit, dass der Fokus zunehmend auf spezialisierten Anwendungen statt nur auf neuen Modellen liegt.
Quellen
- Anthropic: Claude Science, an AI workbench for scientists
- HPCwire: Anthropic Launches Claude Science AI Workbench
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