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Künstliche Intelligenz September 17, 2026

Sponsored Agents in ChatGPT: Werbung, die zurückredet

Sponsored Agents in ChatGPT: OpenAI testet Anzeigen, mit denen man chatten kann. Was das für Nutzer, Datenschutz und den Arbeitsalltag bedeutet.

Sponsored Agents in ChatGPT: Werbung, die zurückredet

OpenAI hat am 16. September 2026 eine neue Werbeform in ChatGPT angekündigt. Sponsored Agents sind Anzeigen, mit denen man sprechen kann: Wer eine Anzeige anklickt, landet nicht auf einer Webseite, sondern in einem gekennzeichneten Chat mit einem Agenten, den das werbende Unternehmen sponsert. Damit verschiebt sich eine Grenze, die bisher recht klar war.

Sponsored Agents: So funktioniert die neue Werbeform

OpenAI beschreibt den Ablauf an einem Einkaufsbeispiel. Jemand sieht eine Anzeige für einen Esstisch und hat Fragen: Passt er in den Raum, wie viele Personen finden Platz, wie pflegt man die Oberfläche? Statt auf eine Produktseite zu klicken, kann die Person eine Unterhaltung mit dem gesponserten Agenten beginnen, nachfragen und erst am Ende auf die Webseite des Anbieters wechseln.

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Wichtig ist die Abgrenzung, die OpenAI selbst zieht. Das Gespräch sei, so das Unternehmen, „distinct from ChatGPT’s independent answers and separate from the original conversation that the user started in ChatGPT”. Getestet wird die Funktion vorerst mit ausgewählten Werbekunden in den USA. Der Haushaltsdienstleister Angi hat am selben Tag bestätigt, zu den ersten Marken im Pilotprogramm zu gehören.

Was OpenAI sonst noch ausgerollt hat

Die Sponsored Agents sind nur ein Teil der Ankündigung. Werbetreibende können Kampagnen jetzt per Freitext-Anweisung direkt in ChatGPT anlegen, ändern und auswerten. Der Ads Manager schlägt zusätzlich Anzeigentexte und Bilder vor, abgeleitet aus Zielseite und Kampagnenziel. Optional lässt sich eine KI-gestützte Textanpassung aktivieren, die vorhandene Überschriften an den Gesprächskontext anpasst und in die bevorzugte Sprache der Nutzer übersetzt.

Dazu kommen die ersten Plattform-Partnerschaften: HubSpot als erster CRM-Partner und Shopify als erster E-Commerce-Partner, beide seit dem 16. September. Die Shopify-App startet zunächst für US-Händler; ab 23. September soll sie in allen Märkten verfügbar sein, in denen ChatGPT Ads läuft.

Warum das auch in Österreich und Deutschland zählt

Ein Punkt geht in der Berichterstattung regelmäßig unter, und er ist für Leser hier der wichtigste. Werbung in ChatGPT ist längst keine US-Angelegenheit mehr. OpenAI hat am 18. August 2026 angekündigt, ChatGPT Ads auf 31 europäische Märkte auszuweiten – Deutschland und Österreich ausdrücklich eingeschlossen. Seit dem 31. August ist dort auch der Self-Service-Zugang über den Ads Manager offen.

Neu ist am 16. September also nicht die Werbung selbst, sondern ihre Gesprächsform. Die wird vorerst nur in den USA getestet – erfahrungsgemäß ist das eine Frage von Monaten, nicht von Jahren. Werbung sehen laut OpenAI ohnehin nur Nutzer der Tarife Free und Go; Plus, Pro und Enterprise bleiben werbefrei.

Was das für dich bedeutet

Bisher war Werbung in einem Chatbot ein abgesetzter Block neben der Antwort – störend vielleicht, aber klar als Fremdkörper erkennbar. Ein Gesprächspartner ist etwas anderes. Ein Dialog fühlt sich beratend an, auch wenn er von einer Verkaufsseite gesteuert wird. Die Kennzeichnung ist da, sie muss aber auch gelesen werden, und wer im Kaufmodus ist, liest solche Hinweise erfahrungsgemäß nicht.

Datenschutzseitig lohnt eine Unterscheidung, die vielen entgehen dürfte. Für gewöhnliche Anzeigen sagt OpenAI zu, dass Werbetreibende keinen Zugriff auf Chats, Chatverlauf, Erinnerungen oder persönliche Angaben haben und nur aggregierte Kennzahlen wie Aufrufe und Klicks bekommen. Sobald man aber selbst in den Chat mit einem Sponsored Agent wechselt, spricht man laut OpenAIs eigener Beschreibung mit einem Agenten des Unternehmens – nicht mehr innerhalb der ursprünglichen ChatGPT-Unterhaltung. Was dort getippt wird, sollte man entsprechend behandeln.

Aus Sicherheitssicht ist das die nächste Stufe einer Entwicklung, die ich schon bei der Einstufung von ChatGPT unter dem Digital Services Act beschrieben habe. Je mehr Kauf- und Auswahlentscheidungen über ein Sprachmodell laufen, desto attraktiver wird dieser Kanal für Täuschung. Eine von Dritten betriebene Konversationsfläche innerhalb eines Werkzeugs, dem Menschen vertrauen, ist für die Betrugsprävention eine neue Kategorie – und Kennzeichnungen sind bekanntlich genau das, was Betrüger als Erstes imitieren.

Drei Dinge, die ich konkret empfehle

  • Werbeeinstellungen einmal durchgehen. ChatGPT bietet eigene Anzeigen-Einstellungen mit Verlauf, Themen, dem Löschen der Werbedaten und Schaltern für Personalisierung sowie für die Nutzung früherer Chats. Fünf Minuten, die man genau einmal investiert.
  • Eine feste Regel im Kopf verankern: Sobald ein gekennzeichneter Sponsored-Agent-Chat aufgeht, sprichst du mit einem Unternehmen. Dort gehören keine internen Daten, keine Vertragsdetails und keine Kundennamen hinein – dieselbe Disziplin wie bei jedem anderen Anbieterportal.
  • Im Betrieb die Tarifwahl als Governance-Entscheidung behandeln. Wenn Beschäftigte beruflich mit ChatGPT arbeiten, ist die werbefreie Stufe keine Komfortfrage, sondern eine Frage der Angriffsfläche. Das gehört in die Nutzungsrichtlinie und nicht in die Diskussion über Lizenzkosten.

Quellen

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