Einfach, kurz erklärt
Künftige Quantencomputer – extrem leistungsfähige Rechner neuer Bauart – könnten heutige Verschlüsselung knacken. Microsoft baut deshalb neue, quantensichere Verfahren (ML-KEM und ML-DSA, standardisiert von der US-Behörde NIST) direkt in Windows ein. So lässt sich schon heute schrittweise auf zukunftssichere Verschlüsselung umstellen.
Quantencomputer können viele heute übliche Verschlüsselungsverfahren in Zukunft brechen. Microsoft reagiert und integriert die neuen, quantenresistenten NIST-Standards direkt ins Betriebssystem: In Windows 11 und Windows Server 2025 stehen die Post-Quantum-Algorithmen ML-KEM und ML-DSA bereit – seit der Aktualisierung im Mai 2026 auch in der unternehmensweiten Zertifikatsverwaltung.
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Warum das Thema jetzt drängt
Die größte Gefahr lautet “Harvest now, decrypt later”: Angreifer fangen heute verschlüsselte Daten ab und speichern sie, um sie zu entschlüsseln, sobald leistungsfähige Quantencomputer verfügbar sind. Besonders langlebige Geheimnisse – etwa Gesundheits-, Finanz- oder Staatsdaten – sind dadurch schon heute bedroht, lange bevor die passende Hardware existiert. Genau hier setzt Post-Quantum-Kryptografie (PQC) an.
Die beiden zentralen Algorithmen
Microsoft setzt auf die von der US-Normungsbehörde NIST standardisierten Verfahren:
- ML-KEM (Module-Lattice Key Encapsulation Mechanism, früher “Kyber”) übernimmt den Schlüsselaustausch. Es schützt den Sitzungsschlüssel, der Daten während der Übertragung absichert – und damit direkt gegen das Harvest-now-decrypt-later-Szenario.
- ML-DSA (Module-Lattice Digital Signature Algorithm, früher “Dilithium”) ist für digitale Signaturen zuständig, etwa bei Code-Signing, Zertifikaten und Authentifizierung.
Tief im System verankert
Beide Algorithmen sind in SymCrypt eingebaut, die kryptografische Kernbibliothek hinter Windows, Azure und Microsoft 365. Über die Schnittstelle Cryptography API: Next Generation (CNG) können Anwendungen die neuen Verfahren nutzen. Die NIST-Algorithmen kamen mit dem Update vom November 2025 nach Windows 11 und Windows Server 2025.
Mit dem Update vom Mai 2026 ging Microsoft einen Schritt weiter: Die Active Directory Certificate Services (ADCS) können nun ML-DSA-Zertifikate ausstellen und verwalten. Damit lässt sich quantenresistentes Signieren über Zertifizierungsstellen (CAs) und OCSP-Responder hinweg in bestehende Unternehmens-PKI integrieren und praktisch erproben.
Hybrid statt Hauruck
Wichtig: Der Umstieg erfolgt nicht abrupt. Windows Server 2025 unterstützt einen hybriden Schlüsselaustausch, der ein klassisches Verfahren wie X25519 mit ML-KEM im selben TLS-Handshake kombiniert. So bleibt die Verbindung selbst dann sicher, wenn sich eines der beiden Verfahren später als angreifbar erweisen sollte – ein pragmatischer Übergang, der Kompatibilität und Zukunftssicherheit verbindet.
Was Organisationen jetzt tun können
- Bestand erfassen: Inventarisieren, wo welche kryptografischen Verfahren im Einsatz sind (“Krypto-Agilität”).
- Testen: ML-KEM für TLS und ML-DSA in der Zertifikatsausstellung in einer Testumgebung evaluieren.
- Priorisieren: Langlebige und besonders schützenswerte Daten zuerst auf quantensichere Verfahren umstellen.
Fazit
Mit der Integration von ML-KEM und ML-DSA wird Post-Quantum-Kryptografie vom Forschungsthema zur konkret nutzbaren Funktion im Microsoft-Ökosystem. Der hybride Ansatz und die schrittweise Ausweitung auf die PKI machen den Übergang handhabbar. Wer langlebige Geheimnisse schützt, sollte den Umstieg nicht auf die lange Bank schieben – die Bedrohung durch “Harvest now, decrypt later” wirkt bereits heute.
Quellen
- Microsoft Security Blog: New Windows Features to Secure Today’s Data in a Post-Quantum World
- Microsoft: Post-Quantum Cryptography APIs Now Generally Available
- InfoWorld: Bringing post-quantum cryptography to Windows
- postquantum.com: Microsoft Brings Post-Quantum Crypto to Windows 11
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