Der regulatorische Rahmen für Stablecoins in den USA nimmt konkrete Formen an. Am 18. Juni 2026 legten US-Behörden einen wichtigen Vorschlag vor. Das Financial Crimes Enforcement Network (FinCEN) handelte dabei gemeinsam mit den großen Bankenaufsichten. Künftig sollen Emittenten von Zahlungs-Stablecoins echte “Know your Customer”-Programme führen. Damit rücken dollar-gestützte Token ein großes Stück näher an das klassische Bankensystem.
Wer hinter dem GENIUS Act steht
Die vorgeschlagene Regel ist ein Gemeinschaftswerk. Neben FinCEN tragen sie mehrere Aufsichtsbehörden mit. Dazu zählen das OCC, die Federal Reserve, die FDIC und die NCUA. Rechtsgrundlage ist der GENIUS Act. Dieser sieht zudem vor, zugelassene Zahlungs-Stablecoin-Emittenten (Permitted Payment Stablecoin Issuers, PPSI) als Finanzinstitute unter dem Bank Secrecy Act zu behandeln.
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Was Emittenten künftig leisten müssen
Wird die Regel final, ändert sich für Emittenten vieles. Jeder PPSI müsste dann ein schriftliches, risikobasiertes Customer Identification Program (CIP) vorhalten. Es wäre außerdem Teil des Programms gegen Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung (AML/CFT). Konkret nennt der Vorschlag folgende Pflichten:
- festgelegte Identifizierungsdaten vor Kontoeröffnung erheben
- die Identität der Kundschaft innerhalb einer angemessenen Frist verifizieren
- zugehörige Aufzeichnungen führen
- gegen behördlich vorgegebene Listen abgleichen
- Kundinnen und Kunden entsprechend informieren
- in begrenztem Umfang auf die Prüfung anderer bundesregulierter Finanzinstitute vertrauen dürfen
Primär- statt Massenüberwachung
Wichtig ist dabei der Anwendungsbereich. Die Regel zielt nämlich nicht darauf ab, jeden einzelnen Halter zu identifizieren. Die Behörden unterscheiden vielmehr zwei Märkte. Auf dem Primärmarkt interagiert der Emittent direkt mit Nutzern. Auf dem Sekundärmarkt ist er dagegen nicht selbst Vertragspartei, abgesehen von einem Smart Contract. Die Pflichten greifen daher vor allem dort, wo der Emittent unmittelbar beteiligt ist. So lassen sich bankübliche CIP-Konzepte auf Stablecoins zuschneiden, ohne jede Transaktion zu erfassen.
Einordnung und Zeitplan
Der Vorstoß passt ins Bild des Jahres 2026. Denn die Stablecoin-Regulierung rückt in den USA zunehmend ins Zentrum. Gefragt sind klarere Reserve-Standards, strengere Aufsicht und schärfere Geldwäsche-Schutzmaßnahmen. Hintergrund ist außerdem die wachsende Bedeutung dollar-gestützter Token für Handel und Lending. Für Emittenten bedeutet die Regel daher mehr Compliance-Aufwand. Für den Markt bringt sie allerdings auch mehr Rechtssicherheit. Genau das ist eine Voraussetzung, damit Stablecoins in den Kern des Finanzsystems vordringen.
Zudem ist das letzte Wort noch nicht gesprochen. Die Kommentierungsfrist läuft nämlich bis zum 21. August 2026. Bis zur finalen Fassung kann sich also noch einiges ändern.
Quellen
- FinCEN: Proposed Rule to Implement GENIUS Act CIP Requirement
- Federal Register: Permitted Payment Stablecoin Issuer CIP
- CoinDesk: U.S. agencies seek stablecoin customer-ID rules
- ABA Banking Journal: Customer ID requirements for stablecoin issuers
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