Zum Inhalt springen
Tech & Tacheles„Klartext zu KI, Security und Crypto"
← Alle Beiträge
Cybersecurity June 24, 2026

30 Terabit pro Sekunde: Wie das Kimwolf-Botnet aus Bilderrahmen und Webcams eine DDoS-Waffe baute

Ermittler haben den mutmaßlichen Betreiber des Kimwolf-Botnets festgenommen – ein DDoS-for-Hire-Dienst, der über eine Million IoT-Geräte kaperte und einen Rekordangriff von fast 30 Tbit/s fuhr. Was der Fall über die Sicherheit vernetzter Geräte verrät.

30 Terabit pro Sekunde: Wie das Kimwolf-Botnet aus Bilderrahmen und Webcams eine DDoS-Waffe baute

Während die Schlagzeilen meist von neuen Software-Lücken handeln, zeigt ein aktueller Fall, wo die eigentliche Gefahr oft lauert: in den Millionen schlecht gesicherten Alltagsgeräten, die ständig online sind. Behörden in den USA und Kanada haben den mutmaßlichen Betreiber des Kimwolf-Botnets festgenommen und angeklagt – einen Mietdienst für DDoS-Angriffe, der einen neuen Rekord in der Angriffsstärke aufstellte.

Ein Botnet aus Bilderrahmen und Kameras

Das Besondere an Kimwolf: Es zielte gezielt auf Geräte, die traditionell als “vom Internet abgeschottet” galten – etwa digitale Bilderrahmen und Webcams. Über eine Million solcher Internet-of-Things-Geräte weltweit wurden infiziert und zu einem ferngesteuerten Schwarm zusammengeschaltet. Genau diese unscheinbaren Geräte sind ein ideales Ziel: Sie hängen oft jahrelang ungewartet am Netz, laufen mit Standardpasswörtern und veralteter Firmware und fallen niemandem auf, wenn sie im Hintergrund Angriffsverkehr erzeugen.

Newsletter

Klartext ins Postfach

KI, Security & Crypto – die wichtigsten Analysen, kein Spam. Jederzeit abbestellbar.

Rekordangriff mit fast 30 Tbit/s

Kimwolf wurde als DDoS-for-Hire-Dienst betrieben – wer zahlte, konnte Angriffe gegen beliebige Ziele in Auftrag geben. Die damit gefahrenen Distributed-Denial-of-Service-Attacken erreichten laut Ermittlern nahezu 30 Terabit pro Sekunde, der höchste je gemessene Wert für ein DDoS-Angriffsvolumen. Solche Datenfluten können selbst gut abgesicherte Dienste in die Knie zwingen, indem sie deren Anbindung schlicht verstopfen.

Festnahme und Anklage in zwei Ländern

Als mutmaßlicher Betreiber gilt ein 23-jähriger Mann aus Ottawa, der unter dem Pseudonym “Dort” agiert haben soll. Er sieht sich nun in Kanada und den USA strafrechtlichen Vorwürfen gegenüber. In Kanada lauten die Anklagepunkte unter anderem auf unbefugte Computernutzung, Besitz von Geräten zur unbefugten Nutzung von Computersystemen sowie Mischief in Bezug auf Computerdaten. In den USA – das Verfahren läuft im District of Alaska, da auch dort infizierte Geräte standen – wird ihm Beihilfe zu Computereinbrüchen vorgeworfen, was mit bis zu zehn Jahren Haft bedroht ist.

Teil einer größeren Aufräumaktion

Die Festnahme reiht sich in eine internationale Operation ein. Bereits im März 2026 hatten US-amerikanische, deutsche und kanadische Behörden die Command-and-Control-Infrastruktur von Kimwolf und drei verwandten Botnets – Aisuru, JackSkid und Mossad – beschlagnahmt. Zusammen sollen diese Netze über drei Millionen IoT-Geräte infiziert haben. Der Schlag gegen die Steuerinfrastruktur und die nun erfolgte Festnahme zeigen, dass Strafverfolger zunehmend an die Köpfe hinter solchen Diensten herankommen.

Was Anwender und Betreiber lernen sollten

Der Fall ist eine Mahnung, IoT-Geräte ernst zu nehmen. Konkret heißt das: Standardpasswörter sofort ändern, Firmware aktuell halten, nicht benötigte Fernzugriffe deaktivieren und smarte Geräte möglichst in ein separates Netzsegment legen. Geräte, die keine Sicherheitsupdates mehr erhalten, gehören ausgemustert. Jedes ungesicherte Gerät ist nicht nur ein Risiko für den eigenen Haushalt, sondern potenziell ein Soldat in der nächsten DDoS-Armee.

Quellen

Dranbleiben

Diese Analysen als Newsletter

Ein Mal pro Woche Klartext zu KI, Security & Crypto – direkt in dein Postfach.

Jetzt anmelden